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Dynamische Eigenschaften

In der hetida platform werden dynamische Eigenschaften direkt am einzelnen Objekt gepflegt: an Assets und an Signalen. Damit lassen sich Objekte mit projektspezifischen Zusatzinformationen anreichern — Grenzwerten, Koordinaten, Stammdaten —, ohne dafür eine übergeordnete Definition zu verändern.


Konzept: der Asset-Typ ist eine Kopiervorlage

Ein Asset-Typ ist eine Vorlage (Template). Bei der Anlage eines Assets werden die im Typ definierten Eigenschaften samt Standardwerten und das Symbol auf das Asset kopiert. Ab diesem Moment gehören sie dem Asset.

Daraus folgen drei Dinge, die im Alltag wichtig sind:

  • Eine spätere Änderung am Typ erreicht bestehende Assets nicht. Wer eine Eigenschaft ergänzt, findet sie nur an Assets, die danach angelegt werden.
  • Ein Typ ist jederzeit änderbar und löschbar, auch wenn Assets daraus entstanden sind. Die Assets bleiben mit allen kopierten Werten erhalten; sie verlieren lediglich den Hinweis, aus welcher Vorlage sie stammen.
  • Am einzelnen Objekt sind beliebige weitere Eigenschaften möglich, auch solche, die in keiner Vorlage stehen.
MerkmalAus dem Asset-Typ kopiertAm Objekt hinzugefügt
HerkunftVorlage, zum Zeitpunkt der AnlageDirekt am Objekt
GültigkeitsbereichNur das einzelne ObjektNur das einzelne Objekt
ÄnderbarkeitJederzeit am Objekt bearbeitbarJederzeit am Objekt bearbeitbar
Wirkung einer TypänderungKeine auf bestehende ObjekteKeine
note

Eine Eigenschaft, die an allen Objekten einer Art verpflichtend gepflegt sein muss, lässt sich derzeit nicht erzwingen. Die Vorlage gibt vor, welche Eigenschaften ein Objekt üblicherweise trägt; ob sie gefüllt sind, prüft die Plattform nicht.


Vererbung entlang der Hierarchie

Ein Objekt trägt nicht nur seine eigenen Eigenschaften: es erbt zusätzlich alle Eigenschaften seiner übergeordneten Objekte. Ein am Standort gepflegter Wert gilt damit für jede Anlage und jedes Signal darunter, ohne dort erfasst zu werden.

Dabei gilt:

  • Das nähere Objekt gewinnt. Setzen Standort und Anlage denselben Schlüssel, gilt der Wert der Anlage; ein Wert am Signal selbst gilt vor allen übergeordneten.
  • Nichts wird kopiert. Der Wert bleibt an dem Objekt, an dem er gepflegt wurde. Ändern Sie ihn dort, wirkt die Änderung sofort auf alle Nachfahren, die ihn nicht übersteuern.
  • Übersteuern heißt übernehmen. Im Formular werden geerbte Eigenschaften mit ihrer Herkunft angezeigt. Über Übersteuern wird daraus eine eigene Eigenschaft des Objekts, die anschließend frei bearbeitbar ist. Löschen Sie diese eigene Eigenschaft wieder, gilt erneut der geerbte Wert.
  • Ein leeres Feld erbt. Eine eigene Eigenschaft ohne Wert verdeckt den geerbten Wert nicht — sie bedeutet „von oben übernehmen", nicht „hier leer".
  • Auch leere Felder werden vererbt. Legt man am Standort eine Eigenschaft an und lässt sie leer, erscheint sie an allen Nachfahren als geerbtes, noch nicht gefülltes Feld. So ist sichtbar, welche Felder die übergeordneten Objekte vorsehen. Ein Wert schlägt dabei immer ein leeres Feld — auch wenn er weiter oben steht: trägt der Standort einen Wert und die Anlage denselben Schlüssel leer, gilt am Signal der Wert des Standorts.
Verschieben verändert geerbte Werte

Wird ein Objekt im Explorer an eine andere Stelle verschoben, erbt es ab sofort von seinen neuen übergeordneten Objekten. Seine eigenen Werte bleiben unverändert, die geerbten können sich dadurch aber ändern — ohne dass das Objekt selbst bearbeitet wurde.

Damit lässt sich ein Grenzwert einmal am Werk pflegen und nur an den Ausnahmen abweichend setzen, statt ihn an jedem Signal einzeln zu erfassen.


Datentypen

Dynamische Eigenschaften sind typisiert. Folgende Datentypen stehen zur Verfügung:

  • String — Freitext, z. B. Standortbezeichnung oder Seriennummer
  • Ganzzahl (Integer) — Numerischer Ganzzahlwert, z. B. Baujahr oder Stückzahl
  • Float — Gleitkommazahl, z. B. GPS-Koordinaten oder Grenzwerte
  • Boolean — Wahrheitswert (true/false), z. B. Wartungsmodus aktiv

Eigenschaften an Asset-Typen und Assets

Ein Asset-Typ definiert eine beliebige Anzahl von Eigenschaften, jeweils mit Datentyp und optionalem Standardwert. Bei der Anlage eines Assets entsteht daraus je Eigenschaft ein Feld am Asset, mit dem Standardwert vorbelegt.

Am Asset selbst sind anschließend alle Eigenschaften frei bearbeitbar, und es lassen sich weitere hinzufügen, die in keiner Vorlage stehen. Umgekehrt kann eine kopierte Eigenschaft am Asset auch wieder entfernt werden.

Wer eine Vorlage nachträglich erweitert und die neue Eigenschaft auch an bestehenden Assets braucht, pflegt sie dort einzeln nach — ein automatisches Nachziehen gibt es nicht.


Eigenschaften an Signalen

Dynamische Eigenschaften können auch direkt an Signalen angelegt werden. Das ermöglicht es, signalspezifische Metadaten zu erfassen — etwa Kalibrierungsparameter, physikalische Grenzwerte oder Hinweise zur Datenqualität — ohne dafür ein übergeordnetes Asset anlegen zu müssen.


Anwendungsbeispiele

Geografische Koordinaten

An einem Asset vom Typ „Messstation" können die dynamischen Eigenschaften latitude und longitude vom Typ Float hinterlegt werden. Diese Koordinaten stehen anschließend in Analysen und Dashboards zur Verfügung und können etwa für Kartenvisualisierungen genutzt werden.

Grenzwerte für die Zustandsüberwachung

Das ist der wichtigste Anwendungsfall vererbter Eigenschaften. Eine Alarmregel nennt in ihrer Bedingung nur den Namen eines Grenzwerts, etwa props.motor_temp_max; welcher Wert das ist, entscheidet jedes Signal selbst — über eine eigene Eigenschaft oder eine geerbte von Anlage, Standort oder Werk.

So arbeitet eine Regel mit beliebig vielen unterschiedlichen Grenzwerten: gepflegt wird der Normalfall weit oben in der Hierarchie, abweichend gesetzt nur an den Ausnahmen. Die Regel selbst muss dafür nie angefasst werden.

Zwei Dinge sind dabei zu beachten:

  • Wählen Sie Bezeichner, die in einem Ausdruck schreibbar sindmotor_temp_max funktioniert, Motortemperatur max nicht.
  • Ein Objekt, dem ein von der Regel gelesener Schlüssel nirgends in seiner Kette gepflegt ist, wird von der Regel ausgeschlossen und still nicht überwacht. Die Prüfansicht der Regel führt solche Objekte mit dem Grund auf, siehe Welche Objekte überwacht werden.

Unabhängig davon können auch Workflows im hetida designer diese Werte zur Laufzeit aus den Metadaten eines Signals lesen und als Parameter verwenden.

Technische Stammdaten

An einem Asset können Seriennummer, Hersteller oder Baujahr als dynamische Eigenschaften erfasst werden. Diese Informationen stehen im Explorer zur Ansicht bereit und können in Analysen als Metadaten berücksichtigt werden.


Nutzung in Workflows

Der hetida designer kann über den Plattform-Adapter auf dynamische Eigenschaften von Assets und Signalen zugreifen — jeweils einschließlich der geerbten Werte, sodass ein Workflow einen am Standort gepflegten Grenzwert auch an einem Signal darunter vorfindet. Die Eigenschaften werden als Metadaten zusammen mit den Zeitreihendaten an Workflows übergeben. Auf diese Weise lassen sich Analysen parametrisieren, die auf objekt­spezifischen Konfigurationswerten basieren — etwa unterschiedliche Grenzwerte für verschiedene Anlagen desselben Typs.

Die Referenzierung erfolgt über einen pfadbasierten URI-Mechanismus, der es ermöglicht, sowohl einzelne Eigenschaften als auch Zusammenstellungen von Eigenschaften mehrerer Objekte als Workflow-Eingabe zu adressieren.


Verwaltung im Explorer

Dynamische Eigenschaften werden im Explorer an den jeweiligen Objekten gepflegt. Die Benutzeroberfläche ermöglicht das Hinzufügen, Bearbeiten und Löschen von Eigenschaften direkt am ausgewählten Asset oder Signal — auch für Eigenschaften, die aus einem Asset-Typ kopiert wurden. Im selben Formular wird auch das Symbol des Assets gepflegt, das bei der Anlage aus dem Asset-Typ vorbelegt wird.